14.5.2020, 19.30Uhr: Vortrag mit Diskussion (Videokonferenz) von Prof. Dr. Moshe Zuckermann, Tel Av

Die Juden lebten seit der Zerstörung des Zweiten Tempels 70 n.Chr. oder spätestens seit dem Bar-Kochba-Aufstand 132 n.Chr. in alle Winde und über alle Welt zerstreut in der Diaspora. Sie wurden immer und immer wieder unterdrückt, verfolgt, vertrieben und umgebracht. Obwohl sie verglichen mit der Zahl der Christen oder Moslems eine verschwindende Minderheit darstellten und über keinen Staat, kein Staatsgebiet, keinen Staatsapparat und keine Militärmacht verfügten, lebten und überlebten sie in und mit ihrer eigenen Kultur und Religion, die sie weiter entwickelten , in vielen fremden Umgebungen und Gesellschaften, auf die sie wiederum großen Einfluss ausübten. Im Zentrum ihrer immer bewahrten und immer gefährdeten und umstrittenen kulturellen und religiösen Eigenständigkeit stand die Schrift und ihre rabbinische Auslegung und Fortschreibung – Tora, Gemara und Mischna.

Das alles änderte sich grundlegend, als im Zuge der Bildung von Nationalstaaten und des zunehmenden rassischen Antisemitismus im 19. Jh. die zionistische Bewegung aufkam. Ihr Ziel war, die Juden aus aller Welt in einer territorialen Heimstätte zu sammeln. Am Ende war das ausgewählte Territorium Palästina, und es entstand, begleitet von heftigen Konflikten, 1948 der Staat Israel – ein heute starker Staat mit einer starken Militärmacht. Selbstredend hat das den Charakter des Judentums entscheidend geändert, zum Guten und zum Schlechten. Der Verlauf dieser dramatischen und hochspannenden Wandlung und mögliche zukünftige Entwicklungen des Judentums ist das Thema des Vortrags von Moshe Zuckermann.

Moshe Zuckermann wurde 1948 als Sohn polnisch-jüdischer Holocaust-Überlebender in Israel geboren und wuchs in Tel Aviv auf. Er lebte in Tel Aviv und Frankfurt. An der Universität von Tel Aviv gehört er dem Cohn Instite for the History und Philosophy of Science and Ideas an und leitete sechs Jahre das Institut für Deutsche Geschichte. Zuckermann ist stark geprägt von der „Frankfurter Schule“ um Adorno und Horkheimer sowie von Karl Marx und Sigmund Freud. Er ist Kritiker der aktuellen israelischen Politik und Gesellschaft. Er befürwortet eine Konföderation zwischen Israel und einem unabhängigen Staat Palästina Für diese Lösung sieht er im Moment allerdings wenig Chancen. Er hat zahlreiche Bücher geschrieben; sein neuestes (2018) ist „Der allgegenwärtige Antisemit oder Die Angst der Deutschen vor der Vergangenheit“.

Die Diskussion verfolgen unter: https://www.facebook.com/RLSBW/live. Über den Link kann die Veranstaltung auch im Stream angesehen werden, ohne einen eigenen Facebook-Account zu haben. Die Diskussion verfolgen und anschließend mitdiskutieren im «Zoom-Meeting»: https://us02web.zoom.us/j/89253609907; Meeting-ID: 892 5360 9907 Der Meeting-Raum https://us02web.zoom.us/j/89253609907 ist ab 19:15 Uhr geöffnet. (Hinweis: Sie können am «Zoom-Meeting» auch über den Browser teilnehmen, ohne den Client zu installieren, indem Sie die Installationsaufforderung zweimal ablehnen und anschließend die Option «Über den Browser beitreten» wählen; falls Sie Schwierigkeiten haben, versuchen Sie alternativ den Browser «Chrome» zu nutzen).

Eine Veranstaltung des „Freundeskreises ehemalige Synagoge Affaltrach e.V.“ in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg.

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